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Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) ?
Offene Kinder- und Jugendarbeit als Bildungsarbeit?
Zur Lage:
Durch die bildungs- und schulpolitische Diskussion(PISA und die Folgen) ist die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe / Jugendarbeit angesagt.
In NRW wird die Offene Ganztagsgrundschule (OGGS) sukzessive eingeführt.
In diesem Zusammenhang stellt sich auch für die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA), aber auch für die Jugendarbeit im Allgemeinen, die Frage, inwieweit sie eine Zusammenarbeit - unter Betrachtung des konkreten Einzelfalles – ins Auge fassen oder u. Ust. aus guten Gründen davon absehen will.
Es geht also hier um die Klärung von Beiträgen zur Bildung von Kindern und Jugendlichen in einem schulischen Zusammenhang.
Um diese Klärung auf den Weg zu bringen gibt es im Prinzip zwei Ansätze:
a) Der Ausgangspunkt sind „Bildungsziele“, die in Bezug auf die eigene Arbeit durchforstet werden. Welche sind relevant oder nicht relevant?
b) Der pragmatische Ansatz geht von dem aus, was handlungsbezogen, also auf der sachlichen Ebene vorgefunden wird und überprüft die Anschlussmöglichkeiten, hier im schulischen Kontext. Damit ist die eigene Wertsetzung natürlich nicht aus dem Spiel und „pragmatisch“ meint nicht opportunistisch. (Pragma: das Handeln, die Tat betreffend, also handlungs- bzw. tatsachenbezogen, sachlich, fachkundig)
Die konzeptionelle Reinkultur (a oder b) findet in einer Praxis selten eine Entsprechung.
Wir gehen probeweise den Weg a), zumal b) immer Konkretisierungen auf den Einzelfall hin und empirisch gesicherte Informationen über ihn erfordern.
Dazu machen wir 3 Schritte:
1. Schritt: Welche Beiträge zur Bildung kann die OKJA leisten?
2. Schritt: Was sind wichtig erkannte Bildungsziele im Angebotsspektrum der OKJA?
3. Wir ziehen ein Resümee und machen Kernaussagen!
Schritt 1
Leitende Frage:
Welche Beiträge zur Bildung von Kindern und Jugendlichen kann die (OKJA) (= Offene Kinder- und Jugendarbeit) ggf. leisten?
Wir klären über die beigefügte Liste der „Bildungsziele“, welche davon für die eigene Arbeit tauglich / nicht tauglich bzw. relevant / nicht relevant sind (siehe unter Anlagen).
Welcher „Bildungsbegriff“ wird implizit oder explizit verfolgt?
Was könnte interessant für die Kooperation mit der OGGS (= Offene Ganztagsschule) sein?
Ergebnis:
a) Alle Ziele sind plausibel, sinnvoll und können bei praktisch allen Angeboten der OKJA als Generalklauseln von Belang sein.
b) Sie charakterisieren insgesamt den Typus eines gut gebildeten Menschen, sind sie zu tragenden Persönlichkeitsmerkmalen geworden. So gesehen sind sie wünschenswert.
c) In ihrer Allgemeinheit, da ohne Bezug zu einem konkreten Handlungsrahmen, sind sie für die verschiedensten pädagogischen Angebote nützlich zu machen.
d) Als Leitorientierungen bzw. Oberziele dienen sie einem jeweiligen Angebot.
An dieser Stelle ist es sinnvoll, genauer auf das „Bildungsverständnis“ bzw. auf den „Begriff von Bildung“ hinzuweisen, weil sich daraus oft praktische Herangehensweisen ableiten. Wir verweisen auf die Anlage.
Angemerkt sei noch, dass sich „Bildungsziele“ bündig nur klären lassen, wenn eine Abgrenzung zu „Nicht – Bildungszielen“ vorgenommen wird, damit rhetorische Beliebigkeiten vermieden werden können.
Schritt 2
Leitende Frage:
Was sind wichtig erkannte Bildungsziele im Angebotsspektrum der OKJA?
Exemplarisch wird eine „Kindertheatergruppe“ als Bildungsveranstaltung geplant.
Die Liste „Mögliche Angebote“ macht deutlich, dass es dazu natürlich Alternativen geben kann.
1. Vorbemerkung Es wird unterstellt (deswegen: exemplarisch), dass die folgenden Planungsschritte sich auf andere Angebote übertragen lassen. Und es wird weiter unterstellt, dass sich die Arbeit nur dann lohnt, wenn nach entsprechender interner Klärung dem Schulträger ein Angebot gemacht werden soll oder man deswegen angefragt wird und danach die Klärung des Möglichen auf den Weg kommt.
2. Voraussetzungen Vorausgesetzt wird, dass für die Durchführung einer Theatergruppe hinreichende - personelle und - sachliche Ressourcen vorhanden sind: - Fachfrau / Fachmann mit theaterpädagogischen Kenntnissen - angebotsadäquate Räume (externe oder eigene), - Ausstattungsmaterial wie Beleuchtung, Kostüme, Schminksetts etc.
Möglicherweise sind die Qualitätsstandards im schulischen Bereich nicht gerade niedrig – was aber die Entwicklung noch auszuweisen hat.
3. Zielgruppe Angenommen ist die 4. Klasse einer OGGS im Stadtviertel, 10 – 12 Teilnehmer.
4. Angebotsrahmen 2 x wöchentlich nachmittags, je eine Doppelstunde
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5. Allgemeine Bildungsziele Über das Angebot sollen Kommunikationskompetenz, Kreativität und Rollendistanz / Rollenflexibilität besonders gefördert werden und stellen für dieses Angebot eine passende Auswahl aus dem Katalog denkbarer Bildungsziele dar. Sie bedürfen über Punkt 6 und 7 der präziseren Fassung.
6. Besondere Bildungsziele Sie sind abgestimmt auf die besondere Art des Bildungsangebotes. a) Die Teilnehmer werden altersgerecht mit der Dramaturgie und der Regie eines Stückes vertraut gemacht. b) Sie gewinnen Einsicht in das situationsabhängige Denken und Handeln von Akteuren. c) Über die Variabilität von Rollen(mustern) lernen sie die Sprache als das Verständigungsmittel differenziert und bewusst einzusetzen. d) In analytischer Herangehensweise erkennen sie den unterschiedlichen Charakter von Sprechhandlungen und deren Geltungsansprüche als konstative, regulative und experessive bzw. repräsentative, die in jedem Alltagsgespräch bei Bedarf auszumachen sind.
7. Lernziele Sie sind unmittelbar pädagogisch – praktisch bedeutsam und auf Handlungsmuster bzw. auf Beobachtbares hin formuliert. Sie beziehen sich damit auf Operationen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Teilnehmer lernen - den eigenen Körper und die Stimme als Ausdruckmittel einzusetzen, - das Improvisieren, - die Besonderheiten einer darzustellenden Figur, - ein Verständnis zu jeweiligen Szene und - die Art der Arbeit des Schauspielers an Rolle und Text.
8. Evaluation (Bewertung) und Auswertung a) Über Abschlussinterviews innerhalb der Gruppe nach den Punkten 5 bis 7, b) ggf. als Vorführung des Einstudierten vor einem Publikum, incl. Videoaufzeichnung.
Schritt 3
Wir ziehen ein Resümee und machen Kernaussagen.
1. Außerschulische Bildungsarbeit: Offene Kinder- und Jugendarbeit ist außerschulische Bildungsarbeit.
2. Dabei ist zu berücksichtigen: a) Die Jugendarbeit als OKJA, sozialraumbezogen und gemeindlich orientiert, geht nicht in einer OGGS auf. b) Ihr eigentlicher Auftrag muss auch weiterhin qualifiziert realisiert werden können.
3. Projektplanung: Aus den möglichen Angeboten der OKJA wird ein geeignetes PROJEKT konstruiert.
4. Interne Klärung: Nach einer groben internen Klärung über den möglichen Angebotsinhalt und –rahmen wird erkundet, inwieweit man als potenzieller Partner einer Offenen Ganztagsschule infrage kommen könnte. Sollte ein deutliches Interesse an der Beteiligung einer OGGS bestehen, ist der Träger in der Lage, einen PROJEKTplan vorzulegen (siehe Kindertheater – Gruppe als Beispiel).
5. Kennzeichnende Größen (Parameter): a) Es muss ein nachhaltiges, verlässliches Angebot möglich sein (Personal!). b) Das Angebot unterliegt der Bindung an das Schuljahr. c) Die Personalausstattung muss projektbezogen professionell sein. d) Die Sachausstattung muss dem Projekt angemessen sein. e) Der Raum hat ein entsprechendes Gepräge (Ambiente) aufzuweisen.
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6. Forschungslage, PISA - Misere und die Offene Ganztagschule: a) Der Ausweitung der Grundschule in Verbindung mit einer fördernden Rhythmisierung des Schulalltags liegt die Annahme zugrunde, dass das Lernen dann zu besseren Ergebnissen führt. b) „Es existiert so gut wie keine Forschung“, sagt Heinz Günter Holtappels, Erziehungswissenschaftler an der Universität Dortmund und einer der wenigen, die das Thema zu ihrem Schwerpunkt gemacht haben ...“ „Eine einzige repräsentative Studie in Deutschland beschäftigt sich mit Wirkungs- forschung –und die stammt aus den siebziger Jahren.“ (Bildung, Die große Illusion, in: Der Spiegel, 17.02.03, Seite 57; siehe Materialmappe)
Diese Ausgangslage sollte aus eigenem Interesse und für eine realistische Einschätzung der eigenen pädagogischen Möglichkeiten ins Kalkül einbezogen werden, damit die Ergebnisverantwortung angemessen abgesteckt werden kann.
Der Verfasser dankt den Teilnehmern einer Arbeitsgruppe der Delegiertenkonferenz im März 2003 für wichtige Hinweise und Verbesserungsvorschläge.
Anlage
Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit?
Klärungen zum „Bildungsbegriff“ bzw. zum „Bildungsverständnis“
Ein Begriff bzw. ein Verständnis von Bildung in einer modernen Gesellschaft ist nur in der Vielfalt ihrer Stimmen hilfreich.
Diese Vielfalt erfordert eine Abkehr von einer ganzheitlichen Vorstellung, um Angebote genauer planen, durchführen und hinsichtlich gewünschter Lernergebnisse bewerten (evaluieren) zu können.
Es ist deswegen für einen differenzierten Begriff von Bildung zu plädieren.
Bildung ist sprachabhängig und wird deswegen von ihr getragen.
Verstehen lässt sich die Welt über ein Bezugssystem von drei Arten der Sprachverwendung:
a) kognitiv – instrumentelle Form der Sprachverwendung
= objektive Welt als Darstellung von Zuständen, Ereignissen, z.B. Mathematik, Naturwissenschaften, Technik, analytische Philosophie.
Die Sprechhandlung zielt auf Wahrheitsfragen.
Die Aussage kann wahr oder falsch sein.
Sprachverwendung = kognitiver Modus.
Ziel: intersubjektiv geteiltes Wissen.
b) evaluativ – normative Form der Sprachverwendung
= soziale Welt als Herstellung oder Erneuerung interpersonaler Beziehungen, z.B. Recht, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Ethik, Religion, Philosophie.
Die Sprechhandlung zielt auf Gerechtigkeitsfragen.
Die Aussage kann richtig oder nicht richtig sein.
Sprachverwendung = interaktiver Modus.
Ziel: normative Übereinstimmung, legitim geregelte Interaktion.
c) ästhetisch – expressive Form der Sprachverwendung
= subjektive Welt der Selbstrepräsentation, z.B. Kunst, Literatur, Film, Musik, Tanz, Sport, Theater.
Die Sprechhandlung zielt auf Wahrhaftigkeitsfragen.
Die Aussage kann so gemeint sein wie sie geäußert wird – oder auch nicht.
Sprachverwendung = expressiver Modus.
Ziel: reziprokes Vertrauen.
In der Alltagskommunikation werden alle drei Arten der Sprachverwendung gleichzeitig ins Spiel gebracht, meist also undifferenziert gebraucht. Erst bei Unstimmigkeiten werden sie auseinandergezogen, als theoretischer Diskurs, praktischer Diskurs und als Diskurs über Fragen der Selbstrepräsentanz.
Komplikationen?
Darüber hinaus sind weitere Perspektivenwechsel denkbar:
Perspektivenwechsel I
Gegenüber der äußeren Natur nicht nur eine objektivierende sondern auch eine normenkonforme und expressive Einstellung.
Gegenüber der Gesellschaft nicht nur eine normenkonforme sondern auch eine objektivierende und expressive Einstellung.
Gegenüber der inneren Natur nicht nur eine expressive sondern auch eine objektivierende und normenkonforme Einstellung.
Perspektivenwechsel II
Weiter ist zu bedenken, dass es die Kommunikationsrollen der ersten, zweiten und dritten Person als Sprecherperspektiven gibt.
K. Brewig März 2003
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